SC Idar-Oberstein: Konsequent und doch fragwürdig

Tim-Julian Schneider kommentiert den Wechsel von Enrico Willrich und Danny Lutz vom VfR Baumholder zum SC Idar-Oberstein: 

Der SC Idar hat Mitte April noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen und seinen Kader in der Breite verstärkt. Der Ansatz nach einer bisher durchwachsenen Rückrunde im Kader neue Reizpunkte zu setzen, macht aus Sicht der Schmuckstädter Sinn. „Alles andere wäre fahrlässig“, hat der sportliche Leiter, Martin Schneider, im Gespräch mit uns erklärt.

Mit der Verpflichtung von Danny Lutz und Enrico Willrich bleibt der Oberligist auch seinem Konzept treu, Spielern aus der Region die Chance auf die Oberliga zu ermöglichen. Mit diesem Konzept hat der SC sich in den letzten Jahren eine neue Identität geschaffen, ist verdient in die Oberliga aufgestiegen und dort als Aufsteiger eine starke Hinrunde hingelegt. Wir alle haben uns mit Spielern wie Flo Galle, Justus Klein und Dennis Kaucher gefreut. Alte Bekannte wie Andre Thom und Christian Henn wurden zu Gesichtern des Vereins. Selbst die Brasilianer halten dem SC nun seit mehreren Jahren die Treue und identifizieren sich mit diesem Klub. Dieser respektable Weg wurde konsequent beschritten und die letzten Transferperioden haben gezeigt, dass es auf diesem Weg nicht nur Profiteure gibt.

Der Verein der unter der Transferpolitik des SC am meisten zu leiden hat, ist der VfR Baumholder. Wurden die Transfers von Felix Ruppenthal im Sommer 2017 und die Bekanntgabe des Wechsels von Julian Staudt zur neuen Saison in der Wintertransferperiode noch zähneknirschend akzeptiert, haben die Wechsel von Willrich und Lutz Mitte April das Fass für die Verantwortlichen nachvollziehbarerweise zum Überlaufen gebracht. Leistungsträger zu verlieren, die nach mehreren Gesprächen dem Verein mündlich für die nächste Saison zugesagt hatten, ist einfach nicht akzeptabel, auf die Schnelle einen adäquaten Ersatz zu finden, beinahe unmöglich. Die Suspendierung war die folgerichtige Entscheidung. Spieler, die sich innerhalb von nicht einmal einer Woche trotz ihrer mündlichen Zusage für einen Wechsel entscheiden, können mit ihren Gedanken nicht mehr voll im Saisonendspurt des VfR Baumholder stecken.

Damit verliert der VfR innerhalb von zwei Jahren vier Leistungsträger an den SC, davon zwei die seit frühsten Jugendtagen die DNA des Vereins leben. Sie hätten eine Ära prägen können, die mit dem Aufstieg in die Verbandsliga irgendwann einmal den sportlichen Höhepunkt hätte finden sollen. Dass Willrich und Lutz nun mit dem Prädikat „charakterlos“ suspendiert werden, zeigt wie tief der Stachel beim VfR über ihr Verhalten sitzt.

Aber auch der SC muss sich Fragen zu seiner Vorgehensweise gefallen lassen. Dass die Schmuckstädter, ohne sich vorher mit den VfR-Verantwortlichen in Verbindung zu setzen, über soziale Medien schon Wechsel verkündeten, ist mehr als fragwürdig. Das war unprofessionell und dem VfR Baumholder gegenüber nicht fair. Auch ist zu hinterfragen, warum Spieler, die nach dem Konzept des SC eigentlich schon länger auf dem Zettel stehen müssten, erst im April kontaktiert wurden, in einer Phase, in den es für den abgebenden Verein maximal unglücklich ist. Eine Antwort darauf finden wir vielleicht in einem bemerkenswerten Satz von Martin Schneider, der in der ganzen Diskussion nicht untergehen sollte. „Man stelle sich einmal die Alternative vor, die Jungs wären nach Jägersburg gegangen", zum Oberliga-Konkurrenten, der ebenfalls Interesse angemeldet hatte. Dann schlägt am Ende doch lieber der SC zu.

 

Tim-Julian Schneider

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