Ramzi Ferjani: Sein Weg zum großen BVB

In Dortmund-Brackel, einem etwas entlegen wirkenden Stadtteil der Ruhrpott-Metropole, weht an diesem Donnerstagabend ein eisiger Wind. Es ist diese ungemütliche Jahreszeit, in der sich der Winter allmählich ankündigt und die Sonne schon am späten Nachmittag vom Horizont zu verschwinden beginnt.

Dennoch schwirren zahlreiche Jugendliche in schwarz-gelben Trikots über das Sportzentrum der Adi-Preißler-Allee. In Brackel befindet sich an mindestens sechs Tagen die Woche das Epizentrum des Ballspielvereins Borussia 09 e.V Dortmund. In Brackel trainieren nicht nur die Bundesliga-Fußballer der Borussia, sondern auch die zahlreichen Jugendmannschaften des Vereins, die in ihren Altersklassen fast ausnahmslos zu den besten ihrer Zunft gehören. An diesem Donnerstagabend läuft auch die U17 der Borussia – derzeit Tabellenführer in der B-Junioren-Bundesliga-West – über einen der acht Trainingsplätze. Ramzi Ferjani schaut sich das Training seiner Mannschaft an der Barriere an. Er muss derzeit ein Antibiotikum nehmen, der Zeitpunkt ist aber denkbar passend. „Wir haben dieses Wochenende spielfrei“, erzählt er.

Für Ramzi kommt dieses Wochenende gerade gelegen, um seiner Heimat einen Besuch abzustatten. Der 16-Jährige, der sich im U17-Nachwuchsteam des amtierenden DFB-Poklasiegers als Innenverteidiger zu einem Schlüsselspieler entwickelt hat, erblickte das Licht der Welt nämlich in der beschaulichen Hunsrückgemeinde Sensweiler. „Das Fußballspielen habe ich dann bei der Spvgg Hochwald begonnen“, berichtet Ramzi. Trainiert wurde er dabei von seinem Vater, Lotfi Ferjani, seinerzeit auch ein guter Fußballer und bekannter Trainer im Kreis Birkenfeld, der unter anderem für den SC Birkenfeld die Fußballschuhe schnürte.

Schnell offenbarte sich, dass in Ramzi noch mehr Talent als in seinem Vater steckt. Mit 10 Jahren fiel Ramzi den Talentspähern des 1. FC Kaiserslautern bei einem offenen Sichtungstraining auf und wurde schließlich zum Probetraining eingeladen. Auch dort hinterließ Ramzi einen guten Eindruck, denn schließlich unterbreitete der FCK dem Sensweilerer ein Angebot. „Für mich war eigentlich sofort klar, dass ich zum FCK gehen möchte“, erinnert sich Ramzi. Doch die letzte Entscheidung oblag freilich den Eltern, die ihrem Sohn aber letztlich keine Steine in den Weg legen wollten. Mit 10 Jahren bezog Ramzi das Sportinternat in Kaiserslautern, eine harte Zeit für einen Jungen, der gerade erst dem Grundschulalter entwachsen war. „Gerade das erste Jahr war sehr schwer, ich hatte schon viel mit Heimweh zu kämpfen“, erzählt er.

Die Plätze im Nachwuchsleistungszentrum des BVB

Die Regeln im Internat sind streng, Ramzi ist der einzige 10-Jährige Fußballer unter den Sporttalenten. Auf dem Platz läuft es zunächst richtig gut, ehe er in der D-Jugend eine erste kleine Krise durchlebt: „Ich habe nicht so viel gespielt und mich auch mit dem Trainer nicht so gut verstanden“, gesteht er. Doch ein Jahr später schlüpft Ramzi aus diesem Loch und bezeichnet das Jahr in der U14 als seinen „Durchbruch“. „Mir wurde mehr Vertrauen geschenkt und ich wurde auch auf den Positionen eingesetzt, die mir besser liegen“, nennt Ramzi die Gründe. In der Folgezeit läuft es richtig für den Sensweilerer. Er wird zur Südwestauswahl eingeladen und spielt der U15 des FCK in der Regionalliga. Bei einem internationalen Turnier in Kitzbühl macht Ramzi dann besonders auf sich aufmerksam: „Es waren mehrere Scouts und U16-Trainer eingeladen und ich hatte mich wohl ganz gut angestellt“, beschreibt er.

Denn als er wenige Tage später im Nachwuchsleistungszentrum des FCK beim Essen sitzt, klingelt das Telefon: „Mein Papa war dran und berichtete mir, dass ich ein Angebot von Borussia Dortmund bekommen hatte“, sagt Ramzi. Damals war er zunächst baff, aber natürlich auch neugierig auf die Anfrage von einem der größten Vereine Europas. Schließlich bekommt Ramzi eine Einladung von Edwin Boekamp, dem sportlichen Leiter der Dortmunder Jugend. Nach einem Besuch auf dem Vereinsgelände leistet auch Jugendkoordinator und BVB-Ikone Lars Ricken Überzeugungsarbeit. „Ich war dann auch bereit, den nächsten Schritt zu gehen“, sagt Ramzi.

Eine Hürde versperrte aber noch einen sofortigen Wechsel. „Ich sollte zunächst in Nachwuchsleistungszentrum, da aber kein Platz frei, sollte ich in einer Gastfamilie unterkomme.“ Ramzi sperrte sich gegen diesen Gedanken, aber der BVB fand für dieses Problem eine Lösung. Die Dortmunder lockten Ramzis Vater mit einer Stelle in der hauseigenen Fußballschule. Vater und Sohn gehen den Schritt nach Dortmund zusammen und beziehen eine gemeinsame Wohnung. „Es hilft mir schon sehr viel, dass mein Vater dabei ist. Er ist schon früher unzählige Kilometer gefahren, um bei meinen Spielen dabei sein zu können. Mit ihm kann ich über alles reden.“

Sportlich läuft es bei Ramzi auch mehr als rund. Er bestreitet zunächst die Vorbereitung mit der Dortmunder U16. Dort entpuppt er sich aber schnell als Leistungsträger – und wird nach wenigen Spieltagen befördert. Fortan läuft er als jüngerer Jahrgang für die Dortmund U17 in der Bundesliga auf. „Ich habe es dann auch schnell geschafft, mich als Stammspieler zu etablieren“, sagt Ramzi. Die erste Saison im Dortmund-Dress läuft sehr erfolgreich. Der BVB schafft es ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft und hat dort nach unglücklichem Verlauf gegen die U17-Auswahl von Werder Bremen das Nachsehen. „Sowohl im Hin- als auch im Rückspiel waren circa 2000 Zuschauer da. Das war schon etwas Besonderes“, schwärmt Ramzi.

Ramzi im U17-Bundesliga-Duell gegen Bayer Leverkusen

In dieser Saison läuft es noch besser. Der BVB führt die B-Junioren-Bundesliga an, Ramzi ist als Innenverteidiger gesetzt. „Meine Stärken liegen vor allem im Aufbauspiel und im Zweikampf, aber auch im Kopfballspiel“, beschreibt der hochgewachsene 16-jährige seine Fähigkeiten. Während Ramzi dafür zuständig ist, dass in der Defensive nichts anbrennt, sorgt ein 12-jähriger Mannschaftskamerad Youssouffa Moukoko im Dortmunder Angriff derzeit für mächtig Furore. Nach zwölf Spielen stehen bereits 23 Treffer auf seinem Torekonto. „Der Kerl ist eine Granate, er kann links wie rechts schießen und ist einfach unheimlich wichtig für uns“, huldigt Ramzi seinen jungen Teamkameraden.

Ein alter Mitspieler aus Ramzis Zeit beim 1. FC Kaiserslautern erregt derzeit in der Jugendschmiede des 1. FC Bayern München Aufsehen. Oliver Batista Meier erzielte im U19 Youth-League-Spiel der Bayern trotz eines Krampfes den 2:1-Siegtreffer und begeisterte damit viele Fußballfans in den sozialen Netzwerken. „Oliver und ich sind seit unserer Zeit beim FCK beste Kumpels“, erzählt Ramzi über den DFB-Auswahlspieler.

Generell liegen die gerade krisengebeutelten Lauterer dem Sensweilerer immer noch sehr am Herzen. „Ich bin immer noch riesen FCK-Fan, ich habe in dieser Saison noch kein Spiel der Mannschaft verpasst“, sagt er. Wenn Zeit ist, fährt Ramzi sogar mit einem Dortmunder Kumpel auf den Betzenberg, doch die Zeit ist knapp, nicht zuletzt, weil Ramzi auch so seinem besten Freund Oliver nacheifern möchte und der Sprung in die U17-Nationalmannschaft nicht allzu weit entfernt scheint.

In der vergangenen Woche schlug er seine Zelte mit dem DFB-Perspektivkader in Kaiserau auf. „Es war meine zweite Nominierung für den DFB und es ist immer eine besondere Ehre“, freut sich Ramzi. Natürlich ist es sein Traum auch irgendwann im A-Kader einer Auswahlmannschaft zu stehen, doch der 16-jährige betrachtet das Fußballgeschäft schon aus einer – für sein Alter – bemerkenswert reifen Sicht: „Ich sage immer, Fußball ist ein Tagesgeschäft. In diesem Sport kann alles passieren, aber ich möchte mich immer weiter verbessern und den Trainern gar keine andere Möglichkeit geben, als zu spielen.“

Daneben besucht Ramzi auch noch die Schule. Er geht in die elfte Klasse eines Beruskollges, um sein Fachabitur zu machen. Mit drei Mitspielern sind die BVB-Kicker in der Klasse besonders beliebt: „Aber die Leute sehen oft nicht, was wir für diesen Sport alles investieren und was zum Teil hinten angestellt werden muss“, betont er. Besuche in der Heimat sind für Ramzi zum Beispiel zur absoluten Seltenheit geworden. Doch am vergangenen Wochenende war die Zeit da und Ramzi besuchte seine Mutter in Tiefenstein. Auch zu seinen Freunden aus Sensweiler und den anderen Ortschaften hat er noch fast täglichen Kontakt. Der Ausflug in die Heimat dauert allerdings nur drei Tage, dann geht es zurück nach Dortmund, schließlich hat Ramzi mit dem BVB ein Ziel vor Augen. Selbstbewusst sagt er: „Wir wollen dieses Jahr deutscher Meister werden.“ Es wäre der nächste Meilenstein in Ramzis Lebenslauf.

Artikel bewerten
(3 Stimmen)

Wetter im Kreis Birkenfeld

Kreis Birkenfeld
Aktuell - °C -
Morgen -- °C
14.12.17 -- °C
15.12.17 -- °C
© Deutscher Wetterdienst | Ferienhaus an der Ostsee

Werben

Sie interessieren sich für Nachrichten aus Ihrer Nachbarschaft? Ihren Kunden geht es genauso. Sie möchten wissen, wie Sie auf Stadt-Land-News Ihre Werbung platzieren?

 

Mitmachen

Das Engagement für Vereine und Gemeinden ist enorm. Wir möchten Ihrer Leidenschaft und Ihren Informationen eine Plattform bieten, auf der diese Geschichten gesammelt einem breiten Publikum vorgestellt werden können. 

 

Zum Seitenanfang