Ärger um Ruppenthal-Transfer

Der SC Idar-Oberstein und der VfR Baumholder sind momentan die beiden erfolgreichsten Teams im Fußballkreis Birkenfeld, nun liegen die beiden bezüglich des Transfers von Felix Ruppenthal vom VfR zum SC im Clinch. Ein Konflikt zwischen zwei Vereinen, der von obersten Instanzen provoziert ist.

Dass der SC Idar den Landesliga-Torschützenkönig Felix Ruppenthal aus Baumholder zur kommenden Oberliga-Saison verpflichtet hat, mutet auf den ersten Blick völlig harmlos an. Ruppenthal hat sich beim VfR als absoluter Leistungsträger entpuppt und gezeigt, dass er möglicherweise auch für höhere Aufgaben bestimmt ist. Idar setzt vermehrt auf junge Talente aus der Region und das auch sehr erfolgreich, wie der Aufstieg in die Oberliga gezeigt hat. Auch von VfR-Seite gab es für den Stürmer, der eine neue Herausforderung sucht, keine bösen Worte. Doch die komplizierten Ablösemodalitäten sollten dann doch noch einmal für Zündstoff zwischen den Parteien sorgen.

„Als der sportliche Leiter des SC Idar, Martin Schneider, mich kontaktiert hat, hätte ich schon eine Ablösesumme erwartet“, erklärt Thomas Flohr, der als Mitglied im Spielausschuss des VfR für die Abwicklung der Spielertransfers zuständig ist, die Baumholderer Sichtweise. „Diese ist ja auch in der Satzung des Südwestdeutschen Fußballverbands festgeschrieben.“ Konkret heißt es dort, dass der abgebende Verein vom aufnehmenden Verein eine entschädigende Summe erhält, die sich nach der Liga des aufnehmenden Vereins richtet. Beim SC, der in der Oberliga spielt, hätte es sich um einen Betrag von 2.500 Euro gehandelt. „Die haben wir gar nicht verlangt“, betont Flohr weiter. „Wir haben mit ca. 1.500 Euro kalkuliert.“ Ein Betrag, den der SC aber nicht zu zahlen bereit war. Die angebotenen 400 Euro in Verbindung mit einem Vorbereitungsspiel beider Vereine wurde vom VfR-Spielausschuss mit Empörung aufgenommen. „Wir fühlen uns ein bisschen verarscht. Mit Almosen müssen wir uns nicht abspeisen lassen“, stellt Flohr klar. Problematisch für den VfR war jedoch von Anfang an die Verhandlungsbasis. Jeder aufnehmende Verein ist nämlich durch die Statuten des DFB ganz einfach in der Lage, die festgeschriebene Entschädigung zu umgehen, in dem er den Neuzugang mit einem Amateurvertrag ausstattet. Bei diesem Vorgang fällt die festgeschriebene sogenannte „Ausbildungsentschädigung“ weg. Nachdem das erste Angebot des SC in Baumholder abgelehnt wurde, leitete der SC genau diesen Schritt ein.

„Die Forderung des VfR war nicht unverschämt“, findet Martin Schneider, sieht sich aber vor allen Dingen dem SC gegenüber verpflichtet. „Ein Verein wie der SC Idar-Oberstein ist mittlerweile schon ein kleines Wirtschaftsunternehmen“, schildert er die Gründe für seine Vorgehensweise. „Die wirtschaftlichen Aspekte werden bei uns immer mit in Betracht gezogen, auch wir müssen mit unserem Geld haushalten. Wir haben ein Angebot gemacht, das dem VfR nicht zugesagt hat. Dass wir dann den Spieler mit einem Amateurvertrag ausstatten, der für uns auch mit Kosten verbunden ist, ist völlig legitim und bewegt sich im Rahmen der Statuten.“ Dass der VfR sauer sei, dass er einen seiner absoluten Leistungsträger nun ohne entschädigende Zahlung ziehen lassen müsste, könne er aber absolut nachvollziehen, genau wie auch der VfR wiederum anerkennt, dass der SC Idar sich im Rahmen der Satzung nichts hat zu Schulden kommen lassen.

Stellt sich die Frage, warum es überhaupt diese Amateurvertragsregelung gibt, die den abgebenden Vereinen nahezu jede Verhandlungsbasis entzieht und das Recht auf eine Entschädigungsbasis verwirkt. Diese Regelungen sind vom DFB für alle Landes- und Regionalverbände vorgegeben. „Deshalb werden doch überhaupt bei den Profis langfristige Verträge geschlossen“, findet Franz-Josef Kolb, Leiter der Satzungskommission des Südwestdeutschen Fußballverbands. „Zu 90% gehen Spieler aus laufenden Verträgen, damit der Verein noch eine Ablöse kassiert. Außerdem“, fügte Kolb hinzu, „wird bei der ganzen Thematik nicht gesehen, dass der aufnehmende Verein durch das Abschließen eines Amateurvertrags auch Kosten zu tragen hat.“ Diese belaufen sich auf Abführung von Sozialversicherungen am Gehalt des Spielers, das mindestens 250€ betragen muss. Eine Summe, die hierzulande teilweise schon in der Bezirksliga bezahlt wird. Trotzdem wurde bis 2005 eine Entschädigung fällig. Bis zu dem Zeitpunkt, als der VfB Oldenburg den SV Wilhelmshaven verklagte, da dieser die Ausbildungsentschädigung für fünf verpflichtete Spieler verweigerte. Das Oberlandesgericht Oldenburg erklärte die bisher verpflichtende Entschädigung als verfassungswidrig, da sie gegen Artikel 12 des Grundgesetzes verstoße und die Freiheit der Berufswahl unzulässig einschränke (vgl. bfv.de). „Den Verbänden und dem DFB sind die Hände gebunden“, schildert Kolb. „Wir erteilen nur die Erlaubnis für die Verträge. Alles andere, beispielsweise eine Nichteinhaltung des Vertrags durch den Spieler, wird rechtlich geklärt.“

„Der Markt bestimmt die Gesetze und die Gesetze bestimmen den Markt“, erläutert Schneider das absolut legitime Vorgehen seines Vereins und mit Blick auf den Verlust des VfR: „Wir wollen auch, dass sich unsere Spieler weiterentwickeln und vielleicht irgendwann mal in die Regionalliga wechseln. Der SC war auch stolz, als Spieler wie Simon Maurer, Kingsley Onuegbu oder Pierre Merkel, die mal beim SC waren, es höher geschafft haben.“ „Wir gönnen dem SC Idar natürlich den Aufstieg und finden den Weg, vermehrt auf Spieler aus der Region zu setzen, gut“, bewertet Flohr die Arbeit des SC. „Aber wenn das zu Lasten der kleineren Vereine aus der Region geht, ist das nicht korrekt.“ Zusammenfassend bleibt eigentlich Verständnis für die jeweils gegensätzliche Position, aber dennoch das Gefühl, als Verlierer aus der Sache herauszugehen. „Wir wollen uns auch nicht in eine kriminelle Ecke drängen lassen“, betont Schneider und sieht sich als kleines Rädchen im großen Uhrwerk der Kommerzialisierung des Fußballs.

„Der DFB macht es doch in Regionalliga mit dem chinesischen Team vor. Da spielt aus Vermarktungsgründen das U-20 Team Chinas, alle Teams erhalten dafür 15.000 Euro und jeder ist damit zufrieden – bis auf Waldhof Mannheim eventuell noch. Der Fußball besteht nur noch aus Geld. Leider auch auf unserer Ebene schon.“

 

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Wetter im Kreis Birkenfeld

Kreis Birkenfeld
Aktuell - °C -
Morgen -- °C
27.09.17 -- °C
28.09.17 -- °C
© Deutscher Wetterdienst | Ferienhaus an der Ostsee

Werben

Sie interessieren sich für Nachrichten aus Ihrer Nachbarschaft? Ihren Kunden geht es genauso. Sie möchten wissen, wie Sie auf Stadt-Land-News Ihre Werbung platzieren?

 

Mitmachen

Das Engagement für Vereine und Gemeinden ist enorm. Wir möchten Ihrer Leidenschaft und Ihren Informationen eine Plattform bieten, auf der diese Geschichten gesammelt einem breiten Publikum vorgestellt werden können. 

 

Zum Seitenanfang