Tim Neumann: Ein Fußballerleben zwischen Idar-Oberstein, Kaiserslautern und Washington D.C.

Der Kreis Birkenfeld ist bekanntlich fußballverrückt. Das bewiesen nicht zuletzt die über 2000 Zuschauer, die den Oberliga-Aufstieg des SC Idar-Oberstein live im Idarer Haag-Stadion miterlebt hatten.

Dennoch gibt es wohl selbst unter den eingefleischtesten Fußball-Fanatikern in unserem Kreis nicht viele, die die Geschichte von Tim Neumann aus dem Idar-Obersteiner Stadtteil Weierbach kennen. Dabei ist die Story des 20-jährigen wohl eine der aufregendsten und spannendsten, die ein junger Fußballer aus dem Nationalparklandkreis liefern kann. Doch Tim´s Geschichte spielt sich schon seit 10 Jahren außerhalb der Grenzen des Kreises Birkenfeld ab – zuerst in Kaiserslautern und jetzt in Washington DC, der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika.

Jugend beim 1. FC Kaiserslautern

Alles fing mit den Talenttagen beim 1. FC Kaiserslautern an. „Einer der Trainer ist da auf mich aufmerksam geworden und lud mich zum Probetraining ein“, erzählt Tim, der damals noch bei seinem Heimtatverein, der Spvgg Nahbollenbach, aktiv. In der Einheit der Kaiserslauterner E-Junioren kristallisiert sich schließlich das außergewöhnliche Talent von Tim heraus. Fortan wird der Sportpark „Rote Teufel“ am Fröhnerhof in Kaiserslautern zu seiner Fußball-Heimat. Tim durchläuft sämtliche Jugendmannschaften beim FCK. Bis Tim 15 ist, lebt er noch in Idar-Oberstein und ist Teil einer Fahrgemeinschaft, der unter anderem auch der jetzige Zweitligaspieler des 1. FC Nürnberg, Eduard Löwen, angehörte. Ab dann wechselt Tim auf das Heinrich-Heine-Gymnasium, indem die Schüler des Kaiserslauterner Nachwuchsleistungszentrum zur Schule gehen. Die Tagesabläufe im Internat sind streng. „Mit zunehmenden Alter hat man aber immer mehr Freiheiten und Privilegien zugesprochen bekommen“, erklärt Tim das System. Tim hat sich in seinen Teams als linker Außenverteidiger etabliert. In der U17 und in der U19 misst er sich in der Junioren-Bundesliga mit den besten Mannschaften des Südens und des Südwestens – unter anderem dem FC Bayern München und der TSG Hoffenheim.

Zukunftsgedanken

Doch in seinem letzten Jahr bei den Junioren offenbart ihm Marco Haber, Verantwortlicher des Nachwuchsleistungszentrums, dass es mit einem Kaderplatz in der Kaiserslauterner Regionalligamannschaft sehr schwierig werden würde. „Deshalb habe ich dann nach Alternativen Ausschau gehalten“, sagt Tim. Für ihn war klar, dass er das Fußballspielen auf keinen Fall zu Gunsten eines Studiums komplett aufgeben würde. Alles auf die Karte Profifußballer wollte Tim aber auch nicht setzen. „Das Problem ist, dass es in Deutschland sehr schwierig ist, auf hohem Niveau Fußball zu spielen und gleichzeitig zu studieren“, gesteht Tim.

Show-Case in Hennef 

Im Herbst 2015, ein halbes Jahr vor seinem Abitur, lernt Tim Sebastian Korst kennen. Korst gehört der ProSoc Academy an, die deutsche Spieler in die Vereinigten Staaten vermittelt. Tim findet die Idee spannend und bespricht sie mit seinen Eltern. Die stehen voll und ganz hinter seinen Plänen und schließlich trifft Tim sich mit Korst in Kaiserslautern. „Auf deren Seite wurde dann ein Profil von mir erstellt, auf das die College-Fußballtrainer zugreifen können“, erläutert Tim. Daneben muss er im Winter 2015 – neben den Abiturvorbereitungen – zwei Sprachtest absolvieren. Im Februar des Folgejahres wird Tim zu einem „Show-Case“ ins nordrhein-westfälische Hennef eingeladen. Dort haben sich zahlreiche Fußballer eingefunden, die ebenfalls für ein Fußball-Stipendium in den USA vorspielen. An der Seitenlinie beobachten Talent-Späher und College-Fußball-Trainer aus elf verschiedenen amerikanischen Universitäten das Treiben auf dem Spielfeld mit gespitztem Bleistift. Tim schindet offenbar Eindruck: „Ich hatte zuerst Kontakt zu einer Uni in Michigan, danach wurde der Kontakt zu meiner jetzigen Uni in Washington DC hergestellt“, erzählt er. Tim telefoniert regelmäßig mit dem Trainer der Uni, der ihm seine Pläne und Abläufe erklärt. „Das Angebot, was ich bekommen habe, war mehr als überzeugend für mich“, schildert Tim. Weil Michigan mit einem konkreten Angebot hadert, gibt Tim der American University in Washington die Zusage. Künftig wird er also in der Nachbarschaft des Weißen Hauses die Fußballschuhe schnüren. Danach muss alles sehr schnell gehen: Tim meldet sich an der Uni für den Studiengang „International Business“ an, doch bis er sein Visum hat, vergehen einige zähe Wochen. Am 27. Juli sind die Unterlagen schließlich fertig, vier Tage bevor in Washington die Vorbereitung beginnt.

Washington DC 

Am 1. August sitzt Tim im Flieger und überquert den Atlantik. Eine Reise in ein völlig neues Leben: „Am Anfang war es natürlich schwer, die Leute zu verstehen, aber nach zwei Monaten ging es schon viel besser“, sagt Tim. Auch aus sportlicher Hinsicht muss sich Tim umgewöhnen. Mit seiner neuen College-Mannschaft absolviert er eine Vorbereitung, die lediglich zwei Trainingswochen und ein Testspiel beinhaltet, ehe die Saison im September startet. „Beim FCK haben unsere Vorbereitungen immer mindestens sechs Wochen gedauert“, erklärt Tim den Unterschied zu Deutschland. Dennoch startet seine Mannschaft, die neben ihm noch zwei weitere deutsche Spieler unter Vertrag hat, gut in die reguläre Saison. Aus den ersten fünf Spielen holt die American University elf Punkte. Das Tabellensystem lässt sich in etwas mit dem des American Football vergleichen. Die Teams sind in verschiedene Conferences unterteilt. Die American University gewinnt mit Tim als Linksverteidiger ihre Conference – die Patriot League. Um sich für das große NCAA-Tournament, zu qualifizieren, indem die besten 48 Mannschaften des Landes antreten, warten noch zwei Ausscheidungspartien. Das Halbfinale entscheidet die American University nach hartem Kampf in der Verlängerung für sich. Im Endspiel unterliegt sie dann im Elfmeterschießen – der Traum von den großen NCAA Ausscheidungskämpfen ist geplatzt. Dennoch war es eine durchaus gute erste Spielzeit für Tim, der sich direkt als Stammspieler etabliert hat. Dafür trainiert er aber auch sehr hart. Im Herbstsemester besucht er morgens seine Uni-Kurse, um danach an vier bis fünf Nachmittagen der Woche zu trainieren. „Da bleibt eben kaum Zeit für andere Sachen“, erzählt er. Im Frühlingssemester gestaltet sich die Lage etwas anderes. Da die reguläre Saison in den USA nur von September bis Dezember geht, hat Tim im Frühjahr neben zahlreichen Vorbereitungseinheiten und Testspielen an den Wochenenden häufiger frei. Diese Zeit nutzt Tim unter anderem, um sich die Sehenswürdigkeiten in Washington DC anzusehen. Daneben hat er durch den Fußball schon mehrere populäre amerikanische Städte kennen lernen dürfen. So steuerte die American University bei Auswärtsbegegnungen schon Florida, Dallas und Boston per Flugzeug an. Vor welcher Kulisse Tim spielt, ist dabei sehr stark vom Gegner und der Wichtigkeit des Spiels abhängig. „Unsere Heimspiele verfolgen im Schnitt so 300 Zuschauer, ich habe aber auch schon vor 2500 Leuten gespielt“, erzählt Tim. Ähnlich schwankend wie die Zuschauerzahlen sei auch das fußballerische Niveau in den USA. „Das Spiel ist robuster als in Deutschland und mehr auf Standards fokussiert. Das technische Niveau hängt aber sehr stark von den einzelnen Teams ab. Es gibt Mannschaften auf Verbandsliga-Niveau, die besten Mannschaften des Landes haben auf dem College aber mindestens Regionalliga-Niveau“, vergleicht Tim.

Stadtmeisterschaften für den SC Idar-Oberstein

Derzeit hat Tim Semesterferien und weilt in seiner Heimat Idar-Oberstein. Die Schmuckstadt bildet natürlich einen erheblichen Kontrast zur amerikanischen Hauptstadt. „Hier hat man einen anderen Lebensstil, hat mehr Zeit für sich und seine Familie“, beschreibt Tim. Ab Juli wird Tim dann dem SC Idar-Oberstein angehören. Zumindest für einige Wochen. „Ich habe mich schon nach meinem Abitur beim SC fit gehalten und habe mit Murat Yasar abgeklärt, dass ich auch in diesem Jahr wieder dabei sein werde“, erzählt er. Ab August geht es dann wieder in die USA ins zweite Jahr auf dem College. „Viele unserer Spieler haben ihren Abschluss gemacht, deshalb werden wir eine ziemlich neue Mannschaft haben und die Trainer erwarten, dass ich mehr Verantwortung übernehme“, betont Tim. Ende Dezember wird Tim dann vorrausichtlich nach Idar-Oberstein zurückkehren. Dabei möchte er sich auch noch einen Wunsch erfüllen. „Ich möchte unbedingt einmal für den SC Idar-Oberstein bei den Hallenfußball-Stadtmeisterschaften mitspielen“, sagt er. Es würde Tim´s Vita um eine weitere tolle Anekdote bereichern. Dann würden ihn und seine Geschichte auch nicht nur noch die eingefleischten Fußball-Fanatiker kennen.

 

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