Bahnhöfe sind besondere Orte. Sie stehen fürs Ankommen und Wegfahren und erzählen auch immer Geschichten von der Stadt, in der sie stehen.

Nehmen wir zum Beispiel den Frankfurter Hauptbahnhof, groß und international strahlt er eine lässige Geschäftigkeit und den Duft der Metropole aus. Besonders sind aber auch die kleineren Bahnhöfe, wie unserer in Idar-Oberstein. Bislang war er eben besonders unattraktiv. Er war geradezu herunter gekommen, der Zustand war beim besten Willen nicht mehr mit Patina zu verwechseln. Und es hat richtig übel gestunken. Das ist jetzt anders. Alles. Nicht nur, dass es nun nicht mehr stinkt.

Letzen Samstag war es nämlich soweit: am Tag der Städtebauförderung konnte die Stadtspitze nachgerade mit einem ganzen Potpourri an Neuerungen aufwarten - ein Eröffnungsmarathon mit Bürgerfest beginnend am Bahnhof über die Stadtbibliothek bis hin zum Industriedenkmal Bengel. Den Anfang machte der Bahnhof. Für mich als alten Berufspendler natürlich ein Must!

Dass der Bahnhof wirklich schön, sauberer, moderner und repräsentativer geworden ist, habe ich schon in den letzten Wochen wahrgenommen. Zwei Highlights kamen aber noch dazu. Zum einen sind da die großformatigen Bilder aus Stadt und Region und die Nationalparktafel mit einem Keramikkunstwerk, das die Fläche des Schutzgebiets darstellt. Insofern am passenden Ort eine absolut gelungene Präsentation dessen, was den Besucher erwartet. Und zum anderen die Eröffnung des Cafés „Ella‘s“, das von der Lebenshilfe betrieben wird. Endlich gibt es wieder eine Gastronomie am Bahnhof, die noch dazu richtig schick geworden ist. Gelebte Inklusion, ein Angebot zu fairen Preisen mit klarem Bekenntnis zu Regionalität. Top.

Warum ergehe ich mich hier in solchen Lobeshymnen? Na ja, wir wären nicht in Idar-Oberstein, wenn ich morgens am Bahnhof nicht schon gehört hätte: „Jaja, erst mal abwarten, wie lange das so bleibt“ und „Das ist schneller wieder so wie vorher als man gucken kann‘“. Diese Haltung kenne ich, tatsächlich manchmal auch ein bisschen von mir selber. Offenbar haben wir Idar-Obersteiner grundsätzlich eine überdurchschnittliche Dosis Skepsis, Pessimismus und vielleicht auch Argwohn im Blut. Und genau deshalb schreibe ich darüber. Wenn die per se ablehnende Haltung, die nur das in den Blick nimmt, was nicht geht, über Hand nimmt, machen wir es uns oft selber viel zu schwer. So als wollten wir gar nicht, dass es gelingt. Wir nehmen uns selber die Möglichkeit, offen für Neues zu sein und uns zu begeistern. Dabei ist das ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor – gerade unsere Region kann es brauchen.

Der neue Idar-Obersteiner Bahnhof ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Projekt gelingen kann: Menschen aus verschiedenen Disziplinen und Bereichen haben agil und professionell zusammengearbeitet, den späteren Nutzer des Bahnhofs und die damit verbundene Außenwirkung im Blick. Mitarbeiter der Verwaltung und der Lebenshilfe, ein ortsansässiges Architekturbüro, eine Trierer Innenarchitektin uvm. waren alle von der Sache begeistert und überzeugt. Sie haben zusammen engagiert gearbeitet. Und ja, beim Umsetzen der Ideen waren sie sicher auch kritisch und haben nach Lösungen für Probleme gesucht. All das merkt man deutlich am Ergebnis. Ich wünsche mir mehr solcher „Bahnhofsgeschichten“.

 

 

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