Essen macht Schule

Wenn das Essen nix taugt, läuft der Ganztag nicht“ so oder so ähnlich hat eine Schulleiterin  die Bedeutung des Mittagsessens in den Ganztagsschulen prägnant und treffend zusammengefasst. Der Satz fiel ziemlich am Ende der letzten Sitzung des Schulträgerausschusses und eigentlich ist damit alles gesagt: Es geht um ein Thema, das zentraler nicht sein kann.

Wer sich ausgewogen, abwechslungsreich und gut ernährt, bleibt gesund und leistungsfähig – um die Auswirkungen guter bzw. schlechter Ernährung dürfte jeder Bescheid wissen. Umso wichtiger, dass Kinder das erlernen und erleben. Wenn das Mittagessen in der Schule stattfindet, ergibt sich die Chance, den Schülern ein eben solches Ess- und Genussverhalten näher zu bringen. Und diese Chance müssen wir nutzen. Ganz wichtig dabei: es muss schmecken – sonst essen die Kinder es nämlich einfach nicht.

Das Thema war auf der Tagesordnung der Sitzung am vergangenen Dienstag, weil für das kommende Schuljahr die Schulverpflegung an den Idar-Obersteiner Ganztagsschulen neu zu vergeben ist.

Die Stadtverwaltung, die ja als Träger die Ausschreibung vornimmt, hat dazu nun in einem sogenannten Leistungsverzeichnis Kriterien festgehalten, die ein gutes Mittagessen für die Kinder gewährleisten sollen. Dabei ist konsequenterweise auch eine Einbindung jener vorgesehen, die es essen bzw. bezahlen sollen, also der Schüler und Eltern. Konkret formuliert sind dazu regelmäßige Treffen mit Schülern und Eltern und einmal im Jahr eine Befragung der Schüler. Ein guter Ansatz, der erst einmal Lob verdient. Ein solcher Anforderungskatalog schafft Transparenz und gibt den Standard vor. So weit, so gut.

Aber geht da nicht noch mehr Einbindung der „Betroffenen“? Wie ernst ist uns eigentlich mit dem Thema? Die Schülerbefragung sollte in meinen Augen zum Beispiel mehr als einmal im Jahr an jeder Schule stattfinden. Probe-Essen mit Vertretern der Schüler und Eltern sollten Pflichtangebot sein und die Menüpläne mit zeitlichem Vorlauf für Eltern und Schüler vorliegen - Punkte, die an einigen Schulen bereits realisiert sind und überall Standard sein sollten. Darüber hinaus ist aber auch ein größerer Wurf denkbar – wenn man es denn möchte: ein „echtes“ Mitentscheidungsrecht der Eltern und Schüler ist formal nicht drin, aber denkbar wäre doch eine Art Gremium, in dem sich Eltern- und Schülervertreter mit dem Thema gesunde Mittagsverpflegung auseinandersetzen.

Vor diesem Hintergrund können die Mitglieder dann Empfehlungen aussprechen, bereits bei der Ausgestaltung des Anforderungskatalogs mitwirken und so Einfluss auf die Wahl des Angebots haben. Eine solche Form von Auseinandersetzung und Teilhabe rückt die Themen Mittagessen in der Schule und Ernährung im Allgemeinen stärker ins Bewusstsein aller und dürfte auch der Attraktivität der Schulverpflegung zuträglich sein. Nicht zuletzt gibt es zu diesen Fragen – wie so oft – bereits Initiativen und Anlaufstellen auf Landesebene, die man nutzen kann und mit zwei Klicks dank der Schlagwortsuche bei der Internetrecherche auch findet.

Vielleicht ist es genau das, worauf es grundsätzlich ankommt: sich zu erlauben, gute Ideen gemeinsam mit allen Betroffenen konsequent und kreativ zu entwickeln und zu Ende zu denken. Dann ergibt sich am Ende eine gute, differenzierte Lösung, die beste Chancen auf breite Akzeptanz hat. Und dann läuft der Ganztag wie geschmiert.

Allen Schülerinnen und Schülern wünsche ich guten Appetit und viel Genuss beim gemeinsamen Essen.

[Noch ein Hinweis der Vollständigkeit halber: Die hier erwähnten Anregungen habe ich auch im Ausschuss geäußert, sie wurden von der Verwaltung positiv aufgenommen und werden ggfs. bei  zukünftigen Ausschreibungsrunden bedacht. Für die aktuelle Ausschreibungsrunde ist dies aufgrund der zeitlichen Restriktionen nicht mehr möglich.]

 

Eva Milisenda ist 40 Jahre und kommt aus Idar-Oberstein. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Birkenfeld und Mitglied des Jugendhilfe- sowie Schulträgerausschusses der Stadt Idar-Oberstein. Die Diplom-Kauffrau arbeitet als Teamleiterin im Rechnungswesen der Landesbank Baden-Württemberg in Mainz, ist verheiratet und Mutter einer 6-jähringen Tochter.

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