„Schön findet das auch sonst niemand“

„Schön findet das auch bei uns niemand“  - so erklärte sich der Vorstand der Volksbank Hunsrück-Nahe Ende Oktober in der Nahezeitung zu der unpopulären Entscheidung weitere fünf Filialen zu schließen.

Ja, es ist ein Dilemma für die Entscheidungsträger der Banken. Die Zahlen müssen am Ende  gut aussehen, daran wird der Vorstand schließlich gemessen, gleichzeitig möchte man ganz nah bei den Kunden sein. So betrachtet, erscheint die Entscheidung weitere Filialen zu schließen, zunächst als eine sterile betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Mit anderen Worten: die kleinen Filialen kosten zu viel und bringen zu wenig. Nun bin ich ja selber von Berufswegen „Bankerin“ und kenne die Problematik von Fusionen, Restrukturierungen und Kostendruck selber zu Genüge.

Volksbanken und Sparkassen definieren sich nicht zuletzt über ihre regionale Verwurzelung, darüber grenzen sie sich gegen die „kaltherzige Welt der Hochfinanz“ ab. Kundennähe, persönlicher Kontakt, Vertrauen, Seriosität und Verlässlichkeit sind tragende Balken des Geschäftsmodells. Dafür ist der Kunde bereit, zum Beispiel vergleichsweise höhere Kontogebühren zu zahlen. Zwangsläufig bekommt dieses Image nicht nur Kratzer, sondern Risse, wenn Filialen geschlossen werden.  Wie soll man den Sparkassen oder Volksbanken denn da noch abnehmen, dass sie sich um ihre Kunden besser kümmern als die Konkurrenz, bei der die Kreditkarte nichts kostet? So etwas wird sich der ein oder andere Kunde fragen.

Entsprechend verärgert fielen die Reaktionen aus. Das war zu erwarten. Und nun? Aushalten, die ein oder andere Kontoauflösung hinnehmen und aussitzen? Alternativlos? Nein, natürlich nicht. Das Ganze hat eine weitere Dimension, nämlich die Lebensqualität im ländlichen Raum. In kleinen Orten und Gemeinden schließen aus ebensolchen Gründen zum Beispiel erst der Metzger, dann die kleine Supermarkt-Filiale, schließlich der Bäcker und dann soll die Post auch nicht mehr jeden Tag zugestellt werden. Insofern ist das Filialsterben auch Symptom einer kränkelnden Infrastruktur. Wenn nun die Volksbanken und Sparkassen ihr Filialnetz nicht in der Form aufrecht erhalten können, könnten sie doch eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass sie weiterhin ihrer Verbundenheit mit der Region Rechnung tragen, dass es ihnen ein Anliegen ist, sich zu kümmern und dass dies nicht einfach nur ein Lippenbekenntnis ist. Warum nicht gemeinsam mit den Mandatsträgern vor Ort die Bürger einladen, das Gespräch suchen und mögliche gemeinsame Lösungen für das Dorfleben ausloten? Zum Beispiel: Gibt es die Bereitschaft als Gemeinschaftsprojekt einen „Dorfladen“ zu betreiben, der zu bestimmten Zeiten auch Postamt und Bankfiliale ist? Vielleicht lässt sich auch ein Café integrieren, das zum Treffpunkt wird? Im Dialog entstehen sicher noch weitere, ganz neue Ideen – vor allem wird das Problem gemeinsam angepackt, ganzheitlich betrachtet und alle eingebunden. Denn die Zeiten auf den Finanzmärkten mögen sich geändert haben, aber das genossenschaftliche Motto „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele“ dürfte seine Gültigkeit nicht verloren haben.

 

Eva Milisenda ist 40 Jahre und kommt aus Idar-Oberstein. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Birkenfeld und Mitglied des Jugendhilfe- sowie Schulträgerausschusses der Stadt Idar-Oberstein. Die Diplom-Kauffrau arbeitet als Teamleiterin im Rechnungswesen der Landesbank Baden-Württemberg in Mainz, ist verheiratet und Mutter einer 6-jähringen Tochter.

 

 

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