Eine große Chance für die Schmuckregion

Das Edelsteinhandwerk als immaterielles UNESCO-Kulturerbe? Eine großartige Idee, finde ich. Meine eigene war es freilich nicht.

Hans-Ulrich Pauly äußerte diesen Gedanken jüngst im Rahmen der Intergem, Idar-Obersteins Fachmesse für Edelsteine, Edelsteinschmuck und Edelsteinobjekte, die internationale Strahlkraft und ein qualitativ exzellentes Niveau vorweist. Pauly hat mit seiner Idee ins Schwarze getroffen. Wenn unsere Region mit etwas verbundene wird, dann mit dem Edelsteinhandwerk. Und das können wir uns selbstbewusst zum Aushängeschild machen.

Natürlich tun wir das bereits. Die genannte Schmuckmesse ist ebenso ein Baustein, wie das einzigartige Edelsteinmuseum oder der Schmuck- und Edelsteinpreis. Welche Region kann denn noch von sich behaupten eine Landschaft an Schmuckmanufakturen, Edelsteinhandlungen, traditionellen Schleifereien, eine in den Bereich passende Hochschule und mit dem FEE ein weltweit agierendes Forschungsinstitut zu besitzen? Dazu kommt noch die Edelsteinbörse, die gewiss ihre besten Tage hinter sich hat. Aber vielleicht bringt das Verfahren, das von Pauly als Vorsitzender des Fördervereins der Edelsteingraveure angestoßen wird, neuen Schwung in die verschiedenen Institutionen.

Das Edelsteinhandwerk ist eigentlich wie gemacht für das Kulturerbe. Das Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken ist einer der fünf Bereiche, die explizit von der UNESCO definiert wurden, um zum erlesenen Club der Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten zu gehören, die Gemeinschaften als Teil ihres kulturellen Erbes ansehen. Die Menschen in Idar-Oberstein und der umliegenden Region tragen zum großen Teil wie selbstverständlich umfassendes historisches Wissen über den Werdegang dieses Handwerks mit sich. Nur erzählen sie viel zu selten davon.

Wenn es Regisseur Edgar Reitz mit seinen Filmen an prominente Stelle in die Tagesthemen schafft, dann wird doch deutlich, dass die Geschichte des Schmuckhandwerks und der tragenden Akteurinnen und Akteure das Potenzial besitzt, für eine breite Masse interessant zu werden. Auf dem Weg dahin liegt jedoch ohne Zweifel sehr viel Arbeit. Vor allem der Nachwuchs fehlt. Kein Wunder, wenn die Bezahlung und die Perspektive in einem der spannendsten und kreativsten Berufsfelder für junge Leute nicht stimmen.

Es gilt ein Image aufzupolieren. Idar-Oberstein muss sich mit Blick auf das Edelsteinhandwerk als Identifikationsfigur fit für die Zukunft machen – mit einem umfassenden Gesamtkonzept, das die Erzählungen aus der Historie über die Gegenwart hinaus weiterträgt, den Wirtschaftszweig wieder in sicheres Fahrwasser bringt und auch die ihm eigene Attraktivität steigert, damit auch die nächste Generation die Branche mit Leben füllt. Das Licht am Ende des Tunnels, der Fixpunkt, das große Ziel am Ende des Prozesses kann die Urkunde der UNESCO sein. Von den politisch Verantwortlichen erwarte ich, dass sie diesen Weg mitgehen und ordentlich anpacken. Es liegt eine große Chance vor uns.

 

Matthias Keidel ist 24 Jahre alt und kommt aus Kirschweiler. Der stellvertretende Kreisvorsitzende der Freien Demokraten studiert an der Universität Trier und arbeitet als Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der FDP-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz. Der Werder Bremen-Fan will jungen Menschen Lust auf Politik im ländlichen Raum machen und sieht sich selbst dem sozialliberalen Flügel der Freidemokraten verbunden. Auf Stadt-Land-News schreibt er die regelmäßige Kolumne "Zu jung für Politik".

 

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