„Heimatlied“

„Denn hier bist du Mensch, hier darfst du’s wirklich sein“  - so heißt es im „Heimatlied“ der Sportfreunde Stiller.

Ich habe den Titel ehrlich gesagt schon eine Weile nicht mehr gehört, aber diese Woche kam er mir wieder in den Sinn, nachdem ich die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zum Tag der Deutschen Einheit in Mainz gehört habe.

Ich kann nun wirklich nicht sagen, dass mir die letzten Wochen politisch gesehen Anlass zu großer Freude und Ausgelassenheit gegeben hätten. Es war schon vor der Bundestagswahl deutlich zu spüren, dass viele Menschen das Vertrauen in die etablierten Parteien verloren haben. Sie sind vollends enttäuscht und glauben uns nicht mehr. Steinmeier spricht dazu in seiner klugen Rede von „neuen Mauern“ und hat so verdammt Recht. Diese unsichtbaren Mauern müssen weg, das ist auch unsere Aufgabe vor Ort als Kommunalpolitiker. Spontan fällt mir dazu direkt einer von sicherlich vielen anderen möglichen Ansatzpunkten ein, diese Mauern zu überwinden.

Der Geist des Idar-Obersteiner Projekts JumP-!O, das Kinder und Jugendliche für Politik begeistern soll, ihre Meinung hören will und sie ohne formale Hürden mitbestimmen lässt, kann hier als Anregung dienen: Hingehen und einladen, zuhören und verstehen, miteinander debattieren, kümmern und vor allem machen. Im Zentrum steht in meinen Augen bei allem das gegenseitige Verstehen, ohne das ist alles nichts. Steinmeier spricht auch das in seiner Rede an: „Verstehen und verstanden werden – das ist Heimat.“

Das ist eine sehr gelungene und treffende Definition – denn sie geht über die knappe Beschreibung von Heimat als dem Ort, an dem man aufgewachsen ist oder sich zu Hause fühlt, hinaus. Denn so könnte ich einfach sagen, dass meine Heimat Idar-Oberstein ist. Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich hier zu Hause. Ich bin auch nie wirklich weggezogen und esse gerne Spießbraten. Aber es dabei zu belassen, wäre zu wenig. Zur Heimat gehört meine Kindheit, meine Gegenwart und meine Zukunft, gehören bestimmte Erlebnisse, Rituale, Orte und Menschen. Heimat gibt mir Halt und hat mich geprägt. Heimat ist, wo ich mich auskenne, wo ich mich wohl fühle, wo ich hingehöre, also kurzum, wo ich verstehe und verstanden werde. Wenn ich jemanden frage, was Heimat für ihn bedeutet, wird die Antwort sicherlich eine andere sein – selbst dann, wenn er ebenso wie ich hier aufgewachsen ist und lebt. Insofern wird sehr schnell klar, dass die konkrete Definition sehr individuell und vielfältig ist und auch sein muss. Auch das eingangs erwähnte Lied der Sportfreunde ist eine solche persönliche Beschreibung.

Dennoch eint all die Versionen, dass Heimat ein wohliges, ein gutes Gefühl ist und dabei auch immer im Kontext einer gelebten Gemeinschaft steht. Der Begriff ist also nicht beliebig, er kann so individuell besetzt werden, eben weil das gegenseitige „verstehen und verstanden werden“ und damit die Regeln unseres demokratischen Miteinanders Konsens sind.

Und deshalb überlasse ich diesen Begriff auch auf gar keinen Fall Menschen wie der lokalen AfD-Vertretung: eine MdL, die ein widerliches Schmierentheater aufführt, man veranstalte einen Holocaust mit ihr, weil für sie kein Platz in der ersten Reihe bei der Eröffnung der Intergem reserviert ist, ist ganz offensichtlich nicht in der Lage, Begrifflichkeiten zu besetzen.

 

Eva Milisenda ist 40 Jahre und kommt aus Idar-Oberstein. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Birkenfeld und Mitglied des Jugendhilfe- sowie Schulträgerausschusses der Stadt Idar-Oberstein. Die Diplom-Kauffrau arbeitet als Teamleiterin im Rechnungswesen der Landesbank Baden-Württemberg in Mainz, ist verheiratet und Mutter einer 6-jähringen Tochter. Für Stadt.Land.News schreibt sie die Kolumne "Glückauf".

 

 

 

 

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