#4 - Bürokratieabbauinitiative

Manches Erlebnis in meinen fünf Jahren als Selbständiger hat mich in meiner Meinung noch bestätigt: Deutschland erstickt Inititative und Kreativität in einem unerträglichen Bürokratiewahnsinn. Das sorgt für absurde Situationen, etwa wenn das Finanzamt gewisse Ausnahmetatbestände nicht versteht oder sogar gar nicht kennt.

Aber selbst in diesem Fall heißt: Zusätzliche Arbeit, endlose Diskussionen und oft auch das Beschaffen zusätzlicher Nachweise. Zeit, die einem für produktive Arbeit fehlt. Oder noch schlimmer: Zeit, die einem für Freunde und Familie fehlt.

Jeder von uns kennt zahllose Beispiele unnötiger - oder zumindest: unnötig komplizierter - Bürokratie. Dabei ist gut gemeint oft das Gegenteil von gut gemacht. Die Broschüre zum Elterngeld etwa ist nach weitere Nachbesserungen, um wirklich auch jeder Lebenssituation gerecht zu werden, auf deutlich über 100 Seiten angeschwollen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie verzweifelt manche Menschen vor diesem Monstrum sitzen - und am Ende fast zwangsläufig Fehler machen. 

Es gibt Wochen, in denen fange ich am Mittwoch irgendwann nach dem Mittagessen an, mich meiner eigentlichen Arbeit zu widmen. Vorher beschäftige ich mich nur mit Bürokratie, von der Umsatzsteuervoranmeldung bis hin zum Elterngeld. Das kann nicht Sinn und Zweck der Gesetzgebung sein.

Mein Vorschlag daher: Es braucht jemanden in der Bundesregierung bzw. auf einer hohen Verwaltungsstelle, dessen Aufgabe es ist, zusätzliche Bürokratie für Bürger und Unternehmen zu verhindern und bestehende Bürokratie zu vereinfachen oder - wo möglich - abzubauen

Gibt es politische Probleme zu lösen, werden in der Regel neue Regelungen zur Problemlösung diskutiert und geschaffen. Die zusätzliche Komplexität spielt allerdings bei der Entscheidungsfindung keine Rolle. Mit einer Bürokratieabbauinitiative, an deren Spitze ein durchsetzungskräftiger Kopf steht, könnte hier Abhilfe schaffen. Finanzieren würde sich diese Stelle durch die Einsparungen an anderer Stelle sowieso locker. 

 

Christoph Giesa, der in Idar-Oberstein sein Abitur absolvierte, ist für verschiedene Zeitungen und Verlage als Kolumnist und Publizist tätig. In seiner Reihe zur Bundestagswahl '#11Dinge, die anders besser wären', wirft er einen Blick auf Themen fernab, der altbekannten Debatten, die seiner Meinung nach wenig Visionäres enthalten. 

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