Idar-Oberstein - die neue sportliche Heimat

Auch wenn die Flüchtlingsthematik und –problematik in den letzten Monaten im Fokus des öffentlichen Interesses nur noch eine untergeordnete Rolle einnahm, so dürfte kein Zweifel bestehen, dass kaum ein anderes Thema die Gemüter derart erhitzen kann und die Gesellschaft zum Nachdenken bewegt, zum Handeln gezwungen hat.

In den beiden vergangenen Jahren haben über eine Million Menschen in Deutschland eine neue Heimat gesucht. Die Integration dieser Menschen und deren Nachkommen wird eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre, wahrscheinlich Jahrzehnte, werden.

Dass Idar-Oberstein mit etwa 30.000 Einwohnern nicht zu den größten Städten Deutschlands zählt, dürfte jedem klar sein. Allerdings bietet gerade diese überschaubare Größe einige Vorteile hinsichtlich der Integration unserer neuen Nachbarn. Die Anonymität der Großstadt, welche die Schaffung so genannter Parallelgesellschaften, Ghettoisierung und Ausgrenzung erst möglich macht, ist hier nicht gegeben. Ferner ist ein elementarer Faktor zu gelungener Integration der Kontakt zwischen Neuankömmlingen und Alteingessenen. Ein Bindeglied für beide Gruppen kann der Sport sein.

Unsere Stadt bietet mit etwa einem dutzend Sportvereinen ein breitgefächertes Angebot an Sportarten, neben den zahlreichen Fußballvereinen bieten der TV 1848 Oberstein und der Idarer TV , eine Vielzahl verschiedener Sport und Kursangebote an (Ich bitte an dieser Stelle um Nachsicht der nicht genannten Vereine). Sport ist eine der einfachsten Methoden um mit Spaß neue Freunde kennen zu lernen und sich in einer bestehenden Spielgruppe anzuschließen. Für alle gelten die gleichen Regeln, jeder Punkt zählt gleich viel, egal von wem dieser erzielt wurde. Herkunft, sozialer Status und Religion spielen keine Rolle.

Als ich jünger war spielte ich beim TV 1848 Oberstein Basketball. Meine Teamkollegen und ich waren eine bunt zusammengewürfelte Multi-Kulti-Truppe. Trainiert von einem Amerikaner, spielten Thailänder, Afghanen, Iraker, Serben, Kosovo-Albaner, Türken, Russland-Deutsche und Somalier mehrmals in der Woche zusammen. Neben dem Spaß am Spiel und der gemeinsamen Leidenschaft gaben uns klare Spielregeln und Disziplin die Konstanten für das Miteinander auf dem Feld und in der Gesellschaft vor. Aus der Gemeinschaft im Training ist schnell ein großer Freundeskreis entstanden und man traf sich im Sommer täglich auf dem Schulhof der Flurschule um miteinander Basketball zu spielen. In diesem Freundeskreis spielten die Nationalität, die Religion oder die Schulbildung keine Rolle - Hauptsache wir hatten Spaß und konnten gemeinsam spielen!

Aus den Mitspielern von damals sind Freunde geworden, die ich nicht missen möchte. Ein bunter Freundeskreis, der zum Großteil heute noch existiert. Ohne dass wir es bemerkten waren ein Ball und ein Korb die einzigen Dinge, die wir zur Integration benötigten.

Was hat das Ganze speziell mit Idar-Oberstein zu tun? Die bescheidene Größe unserer Stadt spielt uns hier in die Hände, denn wer Basketball spielen möchte hat nicht die große Auswahl zwischen mehreren Vereinen. Wer sich mit Freunden auf dem Schulhof treffen möchte, ist nicht allein dort. Dadurch, dass wir eben keine große Metropole sind, mussten wir Jugendlichen in den jeweiligen Stadtteilen miteinander auskommen, sonst hätten wir keine Spielpartner gehabt. So funktionierte die Integration von ausländischen Kindern und Jugendlichen nahezu von selbst, ohne Streetworker und aufgezwungene Projekte.

Ich bin bekannt dafür diese schwierige Thematik differenziert und kritisch zu betrachten. Fernab von Pathos und der rosaroten Brille kann ich mit absoluter Überzeugung sagen, dass Integration unserer neuen Nachbarn und Freunde im Kleinen beginnt. Zum Beispiel innerhalb des Mikrokosmos eines Basketballfelds.

Meiner Meinung nach sind  gemeinsames Spielen und Sporttreiben eine große Hilfe in der Integration. Hiermit möchte ich mich bei den lokalen Sportvereinen für ihre großartigen Angebote bedanken und möchte noch einmal betonen, dass ich sehr dankbar dafür bin, dass ich im multikulturellen Stadtteil Oberstein aufwachsen durfte.

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