Ehe für alle - wurde auch echt Zeit

Es kommt selten genug vor, dass hier im Landkreis Birkenfeld ein Berliner Lüftchen ankommt, doch vor gut zwei Wochen war es soweit: Der Bundestag hat in einer offenen Abstimmung für die "Ehe für alle“ votiert – großartig, dass das dann endlich, kurz vor knapp nach einem wirklich interessanten politischen Manöver innerhalb weniger Tage über die Bühne ging. 

Natürlich war das auch das bestimmende Thema im Freundes- und Kollegenkreis, in der Familie und auch für die konkurrierenden Kandidaten im Bundestagswahlkampf – selbstverständlich komme ich nicht umhin, das zum Thema meiner Kolumne zu machen.

Es wurde darüber abgestimmt, ob gleichgeschlechtliche Partnerschaften vollends den heterosexuellen gleichgestellt werden, ganz formal ausgedrückt: um die Frage, ob auch Mann-Mann- oder Frau-Frau-Paare Kinder adoptieren dürfen. Es ging auch darum, ob wir die spröden, unromantischen Begriffe der „Verpartnerung“ und „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ als Abgrenzung zur altgedienten Ehe brauchen. Ob nun Bauchgefühl oder Gewissensentscheidung - Papperlapapp - am Ende ist es eine Frage der Haltung. Politik ist zwangsläufig auch eine Frage der Haltung. Und insbesondere die beiden konkurrierenden Kandidaten der CDU und SPD hatten hier die Gelegenheit eben ihre Haltung zu zeigen. Und zwar trennscharf. Gut so. Es ist nämlich nicht egal, wen man wählt. Man wählt auch immer eine Haltung und in einer solchen Frage wird das sehr deutlich. 

Es geht nämlich darum, ob in unserer Gesellschaft endlich gelebt wird, dass homosexuelle Partnerschaften einfach nur normal wie andere Paare auch und nichts Exotisches sind, denen irgendwelche rechtlichen Zugeständnisse gemacht werden. Das ist ganz simpel. Da muss man nicht drumherum drucksen. 

Und mehr noch: am Ende des Tages geht es dabei auch um ein aktualisiertes Familienbild: der Vater-Mutter-Kind-Klassiker, Alleinerziehende, Patchwork- und Regenbogenfamilien sind eben einfach Familien. Fertig. Die miefige Spießigkeit und Doppelmoral der 50er sollten wir doch schon längst hinter uns gelassen haben. Schließlich schreiben wir das Jahr 2017.

Unsere aktuelle Vertretung im Bundestag, Frau Lezius, hat sich die Entscheidung für ihr Nein-Votum bestimmt nicht leicht gemacht. Selbstverständlich achte ich ihre Meinung, wenn ich sie auch nicht teile. Der Anfang ihrer Stellungnahme liest sich zunächst irgendwie wie ein Ja zur Ehe für alle, am Ende begründet sie ihr Nein mit einem traditionellen, konservativen, religiös besetzten Eheverständnis, bei dem maßgeblich das Zeugen von Kindern Ziel sei. Das ist eben ihre Haltung.

In dem Kontext wurde auch diskutiert, ob die „Ehe für alle“ nun mit dem christlichen Glauben vereinbar sei oder nicht. Ich bin da sicher kein Experte. Derzeit bestreite ich meine Auseinandersetzung damit vor allem durch das Vorlesen einer Kinderbibel und komme zu dem Schluss: Jesus hätte mit Ja gestimmt. 

Eva Milisenda ist 39 Jahre und kommt aus Idar-Oberstein. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Birkenfeld und Mitglied des Jugendhilfe- sowie Schulträgerausschusses der Stadt Idar-Oberstein. Die Diplom-Kauffrau arbeitet als Teamleiterin im Rechnungswesen der Landesbank Baden-Württemberg in Mainz, ist und Mutter einer 6-jähringen Tochter.

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