"Summer Fade Out soll langfristig am Bostalsee stattfinden"

Wir haben Kevin Quint, den Idar-Obersteiner Gründer des Musiklabels Riverflow, zum ausführlichen Interview getroffen. Das Label, dessen Studio in der Idarer Börse beheimatet ist, veranstaltet im September am Bostalsee das Summer Fade Out Festival, bei dem unter anderem die Eurovision Song Contest Gewinnerin Lena ein Unplugged-Set spielen wird. Zum Festival, dem Leben in der Musikbranche und den zukünftigen Planungen mit Riverflow hat Quint ausführlich Stellung bezogen. 

Kevin, Sie haben sehr jung ein eigenes Label gegründet, Riverflow Entertainment, das hier in der Stadt beheimatet ist. Wie kam die Idee dazu und was hat schließlich auch dazu beigetragen, dass sie wirklich den Schritt gewagt haben?

Im Grunde haben Tristan Logiewa und ich schon in der Oberstufe Gedanken an eine Unternehmensgründung gehabt. Dann haben wir Johannes Heisner kennengelernt, der schon viel mit Musik gearbeitet hat und viel Equipment vorrätig hatte. Tristan kommt aus einer Musikerfamilie und ich habe mich auch schon immer ausprobiert. Dadurch dass wir schon das Equipment hatten, mussten wir am Anfang auch nicht die ganz großen Investitionen tätigen. Da wir uns alle in Ausbildung und Studium befanden, war es zuerst als Nebentätigkeit geplant, dann ging alles aber ziemlich schnell. Die Ereignisse haben sich überschlagen, wir wurden ins Wembley-Stadion eingeladen. Seitdem war der Punkt erreicht, wo uns klar war, dass wir was mieten und Geld in die Hand nehmen müssen. Mit unserem Ersparten haben wir dann unser Equipment erweitert und zuerst lokale Musiker unter Vertrag genommen. Dann kam die Anfrage von Universal ob wir für den DSDS-Rapper Cesco was produzieren können. Wir haben dann immer mehr Leute kennengelernt, die uns treffen wollten. Das war auch das wichtigste, dass wir relativ schnell wichtige Kontakte knüpfen. Dann kam das erste Event, Summer Fade Out hinzu. Im Januar haben wir uns dann entschlossen die Sache Vollzeit anzugehen, das Studio komplett renoviert und modernisiert, damit wir den neusten und besten Standard haben, mit dem auch schon Michael Jackson, Bruce Springsteen und die Red Hot Chili Peppers gearbeit haben.

 

Vielen fällt es schwer, sich eine Vorstellung von der Welt des Musikbuisness zu machen. Wie ist das bei Riverflow, wie sieht bei Ihnen ein ganz normaler Arbeitstag aus?

Das ist tatsächlich für viele nicht greifbar. Es unterscheidet sich jedoch sehr wenig von einem Bankjob. Wir sind einfach ein Wirtschaftsunternehmen wie beispielsweise eine Bank. Die Arbeit ist ein ganz normaler Acht-Stunden-Job, bei dem wir Projekte planen, Partner und Sponsoren kontaktieren und Anfragen bearbeiten von Leuten, die von uns produziert werden wollen. Am meisten Zeit in Anspruch nehmen die Festivals, die wir planen in.

 

Sie sind dieses Jahr wieder Veranstalter des Summer Fade Out Festivals bei dem neben einigen nationalen und internationalen Bekanntheiten die Eurovsion Song Contes Siegerin von Lena Meyer-Landrut auftreten wird. Im letzten Jahr konnten Sie Kay One für das Festival ergattern. Wie gelingt der Kontakt zu diesen Größen in der Musikbranche?

Wir haben uns am Anfang über das Summer Fade Out viele Gedanken gemacht, im Vergleich zum letzten Jahr. Letztes Jahr war es noch sehr durchgemischt vom Genre her. Wir haben uns dann dafür entschieden, dass es ein Pop-Event werden soll, bei dem bekannte Radiokünstler auftreten sollten. Wir haben uns eine Liste erstellt, auf der unterem Mark Forster, Cro, Andreas Bourani und eben Lena gestanden haben. Teilweise läuft man schon drei oder vier Wochen einer Antwort hinterher, aber wir haben uns dann aus verschiedenen Gründen für Lena und Lukas Riegger entschieden, da er auch auf YouTube stark vertreten ist und wir in diese Richtung gehen wollen.

 

Lena hat für das Festival ein spezielles Setting vorbereitet? Können Sie uns erste Einblicke geben, was uns erwartet?

Der Künstler ist bei uns immer komplett frei in seiner Gestaltung. Wir haben uns nur gedacht, dass der Sommer am schönsten mit einem Unplugged-Set ausgeklungen lassen werden kann und waren uns da sehr schnell mit dem Management von Lena einig. Ihr Auftritt beginnt um 19:00 Uhr, sie wird ca. eine Dreiviertelstunde spielen.

 

Letztes Jahr hat das Summer Fade Out noch am Platz auf der Idar stattgefunden – war es eine bewusste Entscheidung aus Idar-Oberstein raus hin zum Bostalsee zu gehen?

Ja, das war eine bewusste Entscheidung. Wir sehen das Festival als langfristige Veranstaltung, die wir über viele Jahre etablieren wollen. Das ist für unsere Partner auch interessanter, wenn wir über Jahre wachsen können, was auf dem Platz auf der Idar nur bedingt geht. Da wäre bei 1.000 Leuten wahrscheinlich die Grenze erreicht. Wenn du Leute wie Lena oder zukünftig vielleicht mal Mark Forster im Line-Up haben willst, musst du auf eine andere Größenordnung abzielen. Außerdem war der Bostalsee auch von der langfristigen Idee begeistert und hat auch mit Konzerten der Toten Hosen und Xavier Naidoo schon gezeigt, dass dort e großes Potenzial vorhanden ist.

 

Im Zuge der Golden View Awards von Riverflow Entertainment, bei denen sie einen Preis gewonnen haben, wurde durch die Berichterstattung suggeriert, sie hätten sich selbst einen Preis verliehen. Das war durchaus missverständlich und Sie mussten die Dinge noch einmal in ein rechtes Licht rücken. Hat es Sie enttäuscht, wie die Dinge damals wiedergegeben wurden?

Nein, das sind Dinge, die einfach zum Geschäft dazugehören. Ich wäre überrascht, wenn diese Dinge in den letzten Jahren nicht noch öfter passieren. Mir persönlich macht das nichts aus. Jeder, der bei den Golden View Awards vor Ort war, wusste, wie das gemeint war. Wir hatten das Event zuerst als interne Weihnachtsfeier geplant hatten und unsere Partner auszeichnen wollten. Aufgrund der hohen Nachfrage haben wir die Veranstaltung dann doch öffentlich gemacht. Das kam dann missverständlich rüber, aber für mich macht es keinen Sinn jemandem da den Schwarzen Peter zuzuschieben.

 

Ihr Song „I Will“ hat es in verschiedene Top100-Charts geschafft. Wie zufrieden sind Sie bisher mit den Erfolgen bei Riverflow, wo ist noch Luft nach oben?

Wir waren alle überrascht, dass wir mit dem Song gechartet sind, aber uns natürlich sehr darüber gefreut. Tristan und ich sind Geschäftsführer und ich bin auch in erster Linie Geschäftsmann, kein Rapper. Wenn ich Lust habe, setze ich mich ins Studio und mache Musik mit voller Überzeugung, aber es ist nicht mein Kerngeschäft. In Zukunft werde ich was das Musikmachen angeht, auch ein bisschen was verändern. Zum Beispiel wäre es sinnvoller, deutsche Texte zu benutzen. Die Deutsche Musik ist vor allem im Pop Bereich und Hip-Hop wieder auf dem Vormarsch. Vor ein paar Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass ein deutscher Hip-Hop Song in einem Club läuft, heute kommt „Palmen aus Plastik“ (von RAF Camora, Anm. d. Red.) und alle rasten aus.

 

Wie sieht die eigene Planung mit Riverflow aus? Was sind die nächsten Projekte? Können wir in naher Zukunft vielleicht sogar mit einem Album von Ihnen rechnen?

Das Summer Fade Out wird die nächsten Monate einnehmen. Demnächst stößt noch Maxim als Vollzeitkraft dazu, nachdem er seine Ausbildung abgeschlossen hat. Dadurch können wir auch mehr Arbeit auf uns nehmen. Wir haben drei Künstler gescoutet, die wir unter Vertrag nehmen werden, wollen in Zukunft auch Musikvideos auf professionellem Level drehen. Zudem arbeiten wir im Moment an einer Kooperation mit dem 1. FC Kaiserslautern und wollen im Dezember eine Konzertveranstaltung auf dem Betzenberg planen. Im Fritz-Walter-Stadion gibt es eine Fanhalle mit einer Kapazität von 4.000 Besuchern. Mit dem entsprechenden Künstler könnten wir uns im Sommer 2018 auch ein Konzert in der Arena vorstellen.

 

Würden Sie sich in sagen wir einmal 15 Jahren immer noch in der Musikbranche sehen?

Am liebsten ja. Wenn es gut läuft auf jeden Fall. Es ist eine tolle Arbeit, man lernt viele interessante Leute kennen. Wir haben Entscheidungsfreiheit, müssen demnach im Endeffekt aber auch mit den Konsequenzen leben. Aber es ist eigentlich genau das, was ich machen will. Wir wollen was aufbauen, auf das wir in 30 Jahren zurückblicken können und stolz sein können. Ob das jetzt langfristig mit Produzieren, Festivalmanagement oder Künstlermanagement realisiert werden kann, wird sich noch zeigen. Wir haben zwar schon ein, zwei Stufen erklommen, aber von uns liegt noch eine ganze Wendeltreppe.

 

Das Interview führte Tim-Julian Schneider 

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