Wie Birkenfeld zu Oldenburg kam - Großmachtträume, Zarenmorde und Liebesaffären

Über die Hintergründe der Entstehung des Fürstentums Birkenfeld vor 200 Jahren referiert Altlandrat Wolfgang Hey am Mittwoch, 3. Mai, 19 Uhr, im Festsaal des Birkenfelder Schlosses.

Die Veranstaltung bildet den Auftakt der vom heutigen Landrat Matthias Schneider initiierten Vortragsreihe der Kreisvolkshochschule zum Oldenburg-Jubiläum. Ein historisches Kuriosum stellt die 120-jährige Zugehörigkeit des Birkenfelder Landes zum mehr als 400 Kilometer Luftlinie entfernten Oldenburg dar – dass es „die Phantasie eines Tollhäuslers nicht wundersamer ersinnen konnte“. So formulierte es jedenfalls der berühmte Historiker Heinrich von Treitschke.

 Die vordergründigen Fakten der Entstehung des oldenburgischen Fürstentums Birkenfeld sind gut erforscht und vielfach dokumentiert. Spannend wird es, wenn man die vielschichtigen und zum Teil kuriosen Hintergründe beleuchtet. Einen wahren Fundus dazu bieten die Berichte der Wiener Geheimpolizei während des Wiener Kongresses, wo ja zumindest die Vorentscheidung über das Schicksal des Birkenfelder Landes fiel.

Der österreichische Minister Metternich hatte ein umfassendes Spitzelsystem aufgebaut, in dem Diener, Kutscher, Huren und adelige Lebedamen ausspionierten, was sich politisch, aber auch höchst privat bei den Kontrahenten des Kongresses abspielte. Die beteiligten Großmächte, Russland, Preußen, England, Österreich sowie der Kriegsverlierer Frankreich und ihre Vertreter bei dem Kongress boten dazu reichen Stoff. Politische Intrigen und auch wechselnde und pikante Liebesaffären beeinflussten dabei nicht selten Entscheidungen über das Schicksal ganzer Länder. Auch die enge Verwandtschaft der Oldenburger Herzogsfamilie mit den russischen Zaren und sogar zwei Zarenmorde spielen in das Geschehen mit hinein. Dass am Ende das kleine und reichsweit unbedeutende Birkenfelder Land Gegenstand von Beratungen und Kuhhändeln an den Kaiser- und Königshöfen in London, Paris, Petersburg und Wien wurde, muss rückblickend noch heute erstaunen.

Wolfgang Hey hat diese und viele andere Quellen, die bisher in die regionale Geschichtsforschung noch kaum Eingang gefunden hatten, akribisch ausgewertet. Die Ergebnisse vermitteln  spannende und interessante Einblicke in die tieferen Hintergründe der letztlichen Entscheidung, zugleich aber auch in die Rücksichtslosigkeit und Leichtfertigkeit des europäischen Hochadels dieser Zeit im Schachern um die Zukunft  von Ländern, Regionen und deren Menschen. So absurd die Ergebnisse am Ende waren, sollten sie doch die europäische Landkarte länger als ein Jahrhundert bestimmen.

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